„Glauben heißt durch den Horizont sehen“

Das Sprichwort „Glauben heißt durch den Horizont sehen“ aus Ostafrika kenne ich schon lange. Aber vor 15 Jahren habe ich es auch mit eigenen Augen „gesehen“. Da stand ich nämlich in dieser vor mir ausgebreiteten Landschaft in Kenia, siehe Foto. Wir besuchten meine Tochter, die in Maua ihr freiwilliges soziales Jahr machte. Etwa zehn Kilometer vor dieser Stadt öffnet sich in einer Kurve dieser fantastische Blick in die Samburu-Ebene. Wir mussten da einfach anhalten! Vorne das Rot der Erde mit dem Grün der Büsche, dahinter das Braungelb der Steppe und hinten, ganz am Horizont die endlosen blauen Bergketten, soweit das Auge reicht. Ich war danach noch ein paar Mal in Maua. Immer bin ich hier in dieser Kurve ausgestiegen, denn ich liebe diesen Anblick sehr!
Hier wurde mir augenfällig klar, warum gerade in Ostafrika der Spruch „Glauben heißt durch den Horizont sehen“ entstanden ist. Und ich dachte: So ist Glaube. So ist Gottvertrauen. Ich als Mensch kann sehr weit schauen und vieles überblicken; manchmal liegen die nächsten Stationen meines Lebens erkennbar vor mir, aber am Ende ist meine Einsicht begrenzt. Und dann – dahinter, dort, wo meine Weisheit zu Ende ist – trotzdem Gott zu vertrauen: So ist Glaube. Ich spreche Gott über meinen Horizont hinaus das Vertrauen aus. Im Gottvertrauen tue ich so, als könnte ich durch den Horizont schauen (was natürlich nicht geht). Ich glaube, dass da, wo meine Möglichkeiten zu Ende sind, Gott schon da ist mit seiner Liebe. In der Bibel betet ein Psalm (139): „Würde ich mich niederlassen, wo die Sonne im Meer versinkt (was gar nicht geht) – selbst dort nimmst du mich an die Hand und legst deinen Arm um mich.“
Übrigens: Beim ersten Besuch in Maua, brachen wir ein paar Tage später zu einer Safari auf. Wieder hielten wir genau an dieser Stelle. Meine Tochter sagte: Ganz dahinten, hinter einer dieser Bergketten, die jetzt im Dunst liegen, ist der Safari-Park. Da wollen wir hin. Du kannst ihn von hier aus nicht sehen. Aber er ist da. Vertrau mir! Ich war schon mal dort. Es dauert noch drei bis vier Stunden, aber wir werden dahin kommen! Ich habe mich auf das Wort meiner Tochter verlassen und wurde nicht enttäuscht. Wer glaubt, kann auch zu Gott beten: Ich verlass mich auf deine Zusage. Ich selber seh noch nicht, wie es weitergeht, aber du bist ja schon da. Vor dem Horizont bist du, mein Gott, und hinter dem Horizont auch! Ich danke dir, mein Gott! — „Glauben heißt durch den Horizont sehen.“ Ihr Joachim Georg

copyright: Christian Georg
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