Freitags-Impuls (10) „Über’n Schatten springen“

Es gibt einen alten Streit zur Frage: Was bestimmt das Handeln eines Menschen? Sind es die Gene, die Erziehung oder seine Überzeugungen? Anders gefragt: sind wir hilflos festgelegt oder können wir (relativ) frei entscheiden? • Mich beeindrucken Menschen, die sich – zumindest teilweise – von ihrer Erziehung lösen und ihren Überzeugungen folgen. Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist für mich John Wesley, ein anglikanischer Pfarrer im 18. Jahrhundert. Eine seiner vielen unabhängigen Entscheidungen fasziniert mich besonders: Es war im Jahr 1739; sein Freund George Whitefield predigte mit großer Begeisterung im Freien. Er beschwor Wesley, es ihm nachzumachen. Das aber konnte sich John Wesley beim besten Willen nicht vorstellen, solch ein Schritt war für ihn „verhängnisvoll“. „Nicht in einer Kirche zu predigen“, schreibt er in sein Tagebuch, „hielt ich fast für eine Sünde.“ Seine Erziehung und die gelernten Werte verboten ihm also strikt, im Freien zu predigen. • Und was macht dieser 35jährige? In einem Bibelgespräch spricht er über die Bergpredigt. Sofort erkennt er, dass die Predigt Jesu im Freien auch für ihn „ein Vorbild“ ist. Direkt am nächsten Tag setzt er seine neu gewonnene Überzeugung um. „Ich unterwarf mich, wurde noch unbedeutender und verkündigte auf den Straßen die frohe Botschaft, dass Gott uns rettet.“ John Wesley trifft diese für ihn unerhörte Entscheidung; er handelt gegen seine Gefühle, die aus seiner Erziehung stammten. Warum? Weil er sich von der Bibel überzeugen ließ, anders zu denken! Nicht an allen, aber an vielen Stellen seines Lebens ist John Wesley über seinen Schatten gesprungen, weil seine Überzeugungen, die er aus Gottes Sicht der Dinge gewann, über seiner Erziehung standen! • Das wünsche ich uns auch: über unsern Schatten zu springen, wenn wir aus der Bibel neue Einsichten gewinnen! Dazu segne euch Gott! (Joachim Georg)